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#5 Luthers Rat für Zeiten wie diese

Bild: en.wikipedia.org

Im Jahr 1527 wütet in Breslau die Pest. Geistliche der Stadt bitten den Reformator Martin Luther um Rat: Soll man als Christ vor der Krankheit fliehen oder gerade im Vertrauen auf Gott alle Sorgen beiseiteschieben? Luther antwortet mit einem Brief. Und findet Worte, die zum Nachdenken über unser Verhalten in der Coronakrise anregen: „Wohlan, der Feind hat uns durch Gottes Verhängnis Gift und tödliche Krankheit hereingeschickt. So will ich zu Gott bitten, dass er uns gnädig sei und wehre. Danach will ich auch räuchern, die Luft reinigen helfen, Arznei geben und nehmen, Orte und Personen meiden, wo man meiner nicht bedarf, damit nicht … durch mich vielleicht viele andere vergiftet und angesteckt werden und ich ihnen durch meine Fahrlässigkeit zur Ursache des Todes werden würde. Will mich mein Gott indes haben, so wird er mich wohl finden. So aber habe ich getan, was er mir zu tun gegeben hat, und bin weder an meinem eigenen Tod noch an dem des Anderen schuld. Wo aber mein Nächster mich braucht, will ich weder Ort noch Person meiden, sondern … helfen [mit der nötigen Vorsicht], so wie oben gesagt ist. Siehe, das ist ein rechter gottesfürchtiger Glaube, der nicht dummkühn und frech ist und der Gott auch nicht versucht.“

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift
Theologische Orientierung, 198/2020. Albrecht-Bengel-Haus, Tübingen.

#4 Die Krise wird uns stärken

Unsere Gesellschaft wird nach der Krise eine andere sein als zuvor, sagen Experten. Aber wie wird sie sein? Eine zuversichtliche Prognose. Es wäre einfach, ein pessimistisches Szenario für die Zeit nach der Coronakrise zu zeichnen, an dessen Ende wirtschaftlicher und politischer Kollaps stehen. Doch hier sei eine hoffnungsvollere Sicht gewagt, inspiriert von Prognosen des Zukunftsforschers Matthias Horx. Die Krise wird den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Die gemeinsame Erfahrung damit kann verbindend wirken. Und gerade dadurch, dass Begegnungen mit anderen Menschen nur eingeschränkt möglich sind, werden wir eine Sehnsucht danach entwickeln und feststellen, wie wertvoll Beziehungen und Begegnungen sind. Auch in unseren Kirchen und Gemeinden werden wir den Wert der christlichen Gemeinschaft neu entdecken, weil wir in Zeiten begrenzter Kontakte eingeübt haben, aufeinander zu achten. Weil wir in allen Gemeinden und rings um den Globus unaufhörlich gebetet und konfessionelle Unterschiede dabei keine Rolle gespielt haben. Gleichzeitig werden digitale Medien ein ganz selbstverständlicher Weg geworden sein, um die Botschaft unseres Glaubens weiterzugeben. Das Vertrauen in die Regierung wird sich festigen, weil die Bürger sehen, wie Politiker parteiübergreifend konstruktive Lösungen erarbeiten, statt sich auf Kosten des politischen Gegners zu profilieren – und weil sie verstanden haben, die Bevölkerung mitzunehmen und ihre Entscheidungen zu kommunizieren. Spaltende Kräfte verlieren an Einfluss. Die Wirtschaft wird sich erholen, wie sie das schon nach früheren Krisen getan hat. Und viele Menschen werden Journalismus neu schätzen lernen, weil er auch bei Ausgangssperren sichergestellt hat, dass die Bürger gut informiert waren, dass Virologen und Wirtschaftsexperten ihre Einschätzungen weitergeben konnten, weil er Politiker zum Handeln bewegt, Daten überprüft und Hintergründe erklärt hat. Und vielleicht werden Menschen in unserem Land neu nach Gott fragen. Weil sie in Quarantäne Zeit hatten, über sich und ihr Leben nachzudenken; weil sie in der Not der Krise gemerkt haben, was wirklich wichtig ist; weil sie erkannt haben, wie verletzlich das eigene Dasein ist und wie wenig wir selbst in der Hand haben. Vielleicht auch, weil sie von der Hoffnung einiger Jesus-Leute angesteckt wurden.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor:
Christliches Medienmagazin pro, Ausgabe 2/2020 (Jonathan Steinert)

#3 Daumen hoch für die Experten!

Tatsächliche und vermeintliche Experten überall. In den Talkshows. In der Zeitung. Im Podcast. Sie erklären mir das Coronavirus. Erläutern so manchen Sachverhalt. Geben Empfehlungen ab zum rechten Krisenmanagement. Was die seriösen Wissenschaftler angeht: Ich höre sie gerne. Sie erscheinen vertrauenswürdig. Ich fühle mich gut aufgehoben. Darum Daumen hoch für die Wissenschaft, Behörden und Regierung! Aber ich stelle auch fest: Ab und an widersprechen sich die Profis gegenseitig. Manchmal ist das, was gestern noch galt, heute schon überholt. Auch Irren ist menschlich. Dennoch: Auf sie hören tut not! Einen Experten liebe ich über alles: Jesus Christus. »Ich bin der gute Hirte«, sagt Gottes Sohn im Johannesevangelium. Und fährt fort: »Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie. Sie werden niemals verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.« Mir tun solche Worte gut. Da ist einer, der führt sicher durch die dunklen Täler und Stürme dieser Zeit. Und zwar jeden, der sich ihm anvertraut. Auf seine Stimme ist Verlass. Er kennt uns durch und durch. Weiß, was wir gerade brauchen. In seiner Hand sind wir geborgen. Darum Daumen hoch auch für den guten Hirten!

Pfarrer Daniel Röthlisberger
Evangelische Kirche in Fluorn,
Winzeln und Waldmössingen
21. April 2020

Diskutieren Sie mit anderen! Vielleicht finden Sie, dass die Behörden und Regierung in diesem Text zu positiv dargestellt sind? In Zeitungen und Gesprächen ist auch von Versäumnissen und Fehlern in der Bekämpfung der Corona-Pandemie die Rede. Womöglich zu Recht. Stellt sich die Frage, wie unser Krisen-Management einmal rückblickend beurteilt wird. In der Gesamtschau. Was mich als Privatmensch und Pfarrer betrifft: Ich bin dankbar, in diesen schwierigen Zeiten in Deutschland zu leben.

#2 Erfolgsrezept für das Miteinander -- auch in der Krise

An meinem Schlüsselbund sind zehn Schlüssel dran. Ein Schlüssel ist für die Wohnung. Ein anderer für die Kirche und das Gemeindehaus. Dann gibt es noch einen Schlüssel für die Schule und einen fürs Fahrrad. Schlüssel sind – Sie wissen es – dazu da, etwas auf- oder zu- bzw. abzuschließen. Für beinahe jedes Schloss, für jede Tür benötigen wir einen Schlüssel. Und auch das gibt es: Manchmal stehen uns alle Türen offen. Manchmal stehen wir vor verschlossener Tür. Fühlen uns ausgeschlossen oder schließen andere aus.

Es gibt auch Menschen, die sind entweder ganz offen oder wirken eher verschlossen und reserviert. Manchmal sind es bestimmte Erfahrungen, verletzende Worte, die dazu führen, dass jemand dichtmacht, sich ver-schließt. Innerlich und äußerlich auf Distanz geht. Stellt sich die Frage: Was ist der Schlüssel dafür, dass andere uns gegenüber offen sein können? Was ist das Erfolgsrezept, damit Menschen einander offen und herzlich begegnen, umgänglich sind, dass sie fröhlich und mit einem freundlichen Gesicht durch die Welt gehen? Ein solcher Schlüssel zum Erfolg ist, wenn wir einander Gutes tun. Jemandem im Alltag eine kleine oder große Freude machen. Ein solcher Schlüssel ist, wenn wir offen aussprechen, was wir aneinander schätzen. Wenn wir miteinander respektvoll umgehen. Nicht schlecht übereinander reden. Wenn wir fair zueinander sind. Ein solcher Schlüssel zum Erfolg ist, wenn wir die Zauberworte „Bitte“, „Danke“ und „Entschuldigung“ oft verwenden. Auch die Worte »Ich liebe dich« oder »Ich hab dich lieb« bewirken Wunder bei Menschen, die einem nahestehen.

Die Bibel sagt es im Sprüchebuch so: »Tod und Leben stehen in der Zunge Gewalt« (Spr 18,21). Will heißen: Worte haben Macht. Das, was wir sagen und wie wir es sagen, ist oft entscheidend. Es liegt vielfach an uns, ob jemand auf- oder zumacht. Ob jemand sich, sein Herz, öffnet oder verschließt liegt häufig daran, wie wir miteinander umgehen und miteinander reden. Im Umgang und Reden liegt der Schlüssel zu einem guten Miteinander.

Pfarrer Daniel Röthlisberger
Evangelische Kirche in Fluorn,
Winzeln und Waldmössingen
3. April 2020

#1 Mehrfach hält besser!

Kennen Sie das? Sie wollen etwas festbinden. Plötzlich reißt die Schnur. Sie war zu dünn. Zu schwach. Oder eine scharfe Kante ist schuld. Für festen Halt und größtmögliche Sicherheit gilt: Mehrfach hält besser. Die Bibel sagt: »Eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.« Starke Seile bestehen aus verschiedenen Kordeln. Diese wiederum setzen sich zusammen aus ineinander verdrehten bzw. geflochtenen Fasern oder Drähten. Es stimmt also: Mehrfach hält besser. Besonders eindrücklich – dicke Schiffstaue.

Was gibt Ihnen Halt und Sicherheit in der Corona-Krise: Sind es die Mundschutzmasken und Lebensmittel im Vorrat? Das gut gefüllte Bankkonto? Die Arbeitsstelle? Das Wissen, dass Sie keiner Risikogruppe angehören, bei bester Gesundheit sind, Freunde und Familie haben? Sicher ist es vorteilhaft vorbereitet, gesund und gut vernetzt zu sein. Mehrfach hält besser.

Zu meinem Krisenmanagement gehört auch der christliche Glaube. Alles kann im schlimmsten Fall wegbrechen: Der Job. Das Geld. Die Aussicht wieder gesund zu werden. Selbst das soziale Umfeld. Gottseidank steht fest: Mein Leben liegt in guten Händen. Gott ist nichts unmöglich. Selbst im Sterben wird er an meiner Seite sein. Mich durchtragen. Sein Sohn Jesus kam in diese Welt. Kennt die dunklen Täler aus eigener Erfahrung. Hat den Tod besiegt. Ich vertraue darauf. Der Himmel steht offen: Mag kommen, was will – ich gehe der bestmöglichen Zukunft entgegen. Aus alldem schöpfe ich Kraft. Verspüre inneren Frieden. Finde Halt. Bin zuversichtlich. So lebt es sich entschieden besser. Zugegeben: Manchmal beschleichen mich Zweifel. Aber verzweifeln? Nein danke! Mit den Worten eines christlichen Popsongs: »Es gibt unerschütterliche Hoffnung, die jeden Test der Zeit besteht.« Leben Sie wohl und auf Wiedersehen! Mehrfach hält besser.

Pfarrer Daniel Röthlisberger
Evangelische Kirche in Fluorn,
Winzeln und Waldmössingen
3. April 2020