Theologiestudium Jannik Ibscher

Hochschul Exkursion

Ich studiere Theologie an der Evangelischen Hochschule TABOR in Marburg. Ich habe mich dazu entschlossen Theologie zu studieren, da ich lange Zeit in der Gemeinde Jugendarbeit gemacht habe und mir dies sehr viel Spaß gemacht hat. Zudem war hierbei ein Auslandseinsatz in Kanada prägend, bei dem ich viele gute Erfahrungen gemacht habe und ich für die Arbeit in einer Gemeinde oder anderen christlichen Werken eine große Begeisterung fand. Das Studium besteht aus acht Semestern, die in vier Semester Grundstudium und vier Semester Hauptstudium unterteilt sind. Im Grundstudium werden die alten Sprachen Griechisch und Hebräisch gelernt, man bekommt einen Überblick über das Alte und das Neue Testament und hat weitere Module wie beispielsweise Kirchengeschichte und so weiter. Im Hauptstudium hat man dann mehrere Wahlmöglichkeiten. Neben dem intensivem Studium der Bibel kann man sich mit wichtigen und relevanten Fragestellungen des christlichen Glaubens genauer auseinandersetzen. Zudem lernt man vieles über Gemeindearbeit und Gemeindestrukturen und wird dadurch auch auf den Berufsalltag vorbereitet. Neben dem was theoretisch erlernt wird, steht auch in jedem Studienjahr ein Pflichtpraktikum auf dem Programm. Diese werden dann mit den Dozenten reflektiert, wodurch viele wertvolle Erkenntnisse über sich selbst und den späteren Berufsalltag gewonnen werden können. Neben der theologischen Ausbildung wird an der Evangelischen Hochschule TABOR auch viel Wert auf Gemeinschaft gelegt. Folglich wohnt man auch die ersten zwei Jahre im Wohnheim neben der Hochschule und trifft sich beispielsweise wöchentlich in Kleingruppen. Insgesamt ist der Studienalltag durch Vorlesungen, Praktika und diverse andere Veranstaltungen sehr abwechslungsreich gestaltet, aber auch dementsprechend vollgepackt. Wenn man sich beispielsweise, wie ich, mit dem Erlernen alter Sprachen sehr schwer tut und hierfür viel Zeit benötigt, dann kann der volle Terminkalender auch zur Herausforderung werden. Jedoch ist insgesamt, neben der soliden theologischen Ausbildung, genau diese Abwechslung für mich der Aspekt, der den Studienalltag so spannend und interessant macht. Dadurch sammelt man nämlich nicht nur wertvolles Wissen, sondern es ist auch ein Rahmen geschaffen, in dem man persönlich weiterkommen und sich entwickeln kann.

6 Monate mit Jugend für Christus in Südafrika

35°, keine Wolke am Himmel und dazu kaum Schattenplätze. So sieht der Alltag für Südafrikaner aus. Das sind Umstände, an die man sich als Deutscher erst einmal gewöhnen muss. Warum ich in Südafrika war und was ich dort gemacht habe, davon möchte ich euch hier einen kleinen Einblick verschaffen.

Ich war von Februar bis August 2014 in Südafrika, 2 Stunden außerhalb von Kapstadt. Auf ziemlich engem Raum lebten wir zusammen mit 10 anderen Leuten auf einer Farm (Amathunzi). Obwohl es uns, im Verglich zu anderen Menschen in Afrika, noch richtig gut ging, führten wir auf jeden Fall kein Luxusleben. Probleme mit der Wasserpumpe, wenig Geld für Essen, nur Regenwasser zum Trinken, ein Auto für 8 Personen und das nächste Dorf lag 30 min. entfernt. Aber es war wirklich eine sehr interessante und bereichernde Erfahrung, wenn man auf Dinge achten bzw. verzichten muss, die sonst selbstverständlich für einen sind. An sich ist es in dort überhaupt schon ein Privileg Fleisch zu essen oder jeden Morgen eine warme Dusche zu haben.
Eine weitere Herausforderung war, dass in diesem Gebiet Afrikaans gesprochen wird. Man lernt zwar Englisch in der Schule, aber die Kinder sprechen es größtenteils nicht. Afrikaans ist an sich eine einfache Sprache und man versteht viele Wörter, weil es ein Mix aus Französisch, Englisch, Deutsch und Holländisch ist.
Wir haben dort mehrere Projekte betreut, in die ich euch einen kleinen Einblick geben will
Am meisten unterwegs waren wir für ein Projekt an einer Grundschule, der Scherpenheuwel Primary School. Wir unterstützten die Lehrer während des Unterrichts, schauten, dass die Kinder ruhig sind, dass sie etwas zu tun hatten und zusätzlich haben wir einzelne Schüler, die Probleme haben mitzukommen, gefördert. Leider gibt es viel zu viele Kinder hier, die geistig etwas zurückgeblieben sind, weil ihre Mütter vermutlich nicht wussten, dass Alkohol in der Schwangerschaft schadet.
Zweimal in der Woche haben wir auch eine Jungschar veranstaltet. Das war wirklich sehr beeindruckend, wenn manche Kinder unglaublich weite Strecken zurücklegen, nur um daran teilzunehmen. Manchmal waren bis zu 50 Kinder da, was sehr schön aber auch einfach anstrengend ist. Es war auch einfach immer schön zu sehen, wie wenig es braucht um Menschen glücklich zu machen.
Mittwochmittags haben wir in einer Suppenküche beim Austeilen von Sandwiches und Getränken geholfen und danach bekamen wir immer noch etwas Zeit, um mit den Kindern zu spielen und zu singen. Das waren auch immer ca. 70 Kinder und ein paar Erwachsene, die sonst nichts zu essen bekommen würden. Das Hauptproblem der Leute ist nämlich, dass viele alkoholabhängig sind und dadurch den Kindern viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Fast alle Kinder haben nur ein Elternteil, da viele Eltern abhauen oder jung sterben. Viele Kinder sind wirklich sehr kreativ und intelligent, sitzen aber den ganzen Tag nur zuhause, weil niemand nach ihnen schaut und niemand was mit ihnen spielt. Deswegen war die Freude immer sehr groß, wenn wir kamen. Jedes Kind wollte hochgenommen werden, meine Hand halten und alle wollen mit einem etwas spielen.
Donnerstags war dann unser Farmtag, an dem wir bei Arbeiten wie Streichen, Putzen oder Zebrakacke wegräumen helfen durften. Dies war unserem Anleiter Rolf wirklich sehr wichtig, da er es sich als Aufgabe gesetzt hat und das auch uns zur Aufgabe gemacht hat, die Würde der farbigen Menschen hier wiederherzustellen. Auf dem Papier besteht hier die Gleichheit aller Menschen, doch in den Köpfen der Schwarzen und Farbigen ist das Denken, dass man etwas Schlechteres sei, immer noch vorhanden. Deswegen war es uns sehr wichtig, Kontakt zu den Arbeitern aufzubauen, mit ihnen zu reden und sie als Gleichwertige zu behandeln. Für sie war es beispielsweise etwas total Fremdes, einen Weißen wie mich mit einem farbigen Kind auf dem Arm zu sehen, das gibt es hier einfach nicht. Auch, dass weiße Frauen hierher kommen und 2 Stunden Zebrakacke wegräumen, haben sie noch nie gesehen.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass es für mich eine tolle Erfahrung war, die mir sehr weitergeholfen hat und die ohne die Unterstützung von Deutschland, sei es durch Spenden oder Gebet, nicht möglich gewesen wäre. Vielen Dank.

Julian Schaffhäuser